Grenzgebietproblematik: es ist wesentlich, die Mundart zu erhalten

11 Feb

Ich bin zweisprachig als Französin deutscher Abstammung im Grenzgebiet Freyming-Merlebach aufgewachsen.
Mit der deutschen Sprache wurde ich sofort vertraut, die deutsche Sprache ist eigentlich die erste Sprache, die ich als Kind erlernte. Meine Oma war Deutsche, und meine Eltern waren sich bewußt, daß der einzige Weg, mit ihr kommunizieren zu können, war mich zweisprachig zu erziehen, was ihnen gut gelungen ist, obwohl viele Leute ihnen das abrieten. Viele engstirnige Leute dachten damals, und darunter sogar Kinderärzte, daß man dann keine beider Sprachen korrekt sprechen würde.
Kinder sind clever: sie können verschiedene Sprachen nicht verwechseln. Die Zweisprachigkeit ist oft ein lustiges Spiel. Am Anfang weigerte ich mich sogar, Französisch zu sprechen. Im Kindergarten war ich ein bißchen verwirrt, als Leute mich auf Französisch ansprachen: in meinem Kopf dachte ich auf Deutsch. Aber gleich fühlte ich mich in beiden Sprachen, Deutsch und Französisch sehr wohl.
Dazu kam noch unser Platt-Daitsch, das dem Saarbrücker Platt- mit einigen Varianten natürlich- sehr ähnelt.

In der Grundschule wurde uns verboten, Plattdeutsch zu reden, obwohl viele Kinder es heimlich im Schulhof taten.
Bei den alten Generationen war es undenkbar, Platt abzuschaffen: es gab sogar damals eine deutsche Ausgabe des „ Republicain Lorrain“, die meine Großeltern lasen.
Die französische Regierung hat sich oft darum bemüht, diese besonderen Eigenschaften des Grenzgebiets abzuschaffen, und die jungen Generationen haben sich das Platt Deutsch abgewöhnt.

Aber gerade was die Besonderheit von „ Menge-Merlebach“ bildet ist die Mundart. Der Einfluß der deutschen Sprache hat Spuren hinterlassen und wir sollten stolz darauf sein.

Beide, Deutsche und Franzosen, sollten sich der Problematik des Grenzgebietes bewußter sein und auch kulturbewußter handeln: man wird von gegenseitigen Einflüssen bereichert.

Als Kind wurde bei uns Deutschland nie als Ausland bezeichnet: Deutschland war „drüben“, „ driwwe“, ein paar Kilometer weiter.
Und dieses Deutschland, die Stadt Saarbrücken, wo meine Tante Hedwig wohnte, war mir vertraut.

Copyright© by Isabelle Esling
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