Die Tante Hedwig aus Saarbrücken

17 Feb

Tante Hedwig

Meine Tante Hedwig hatte den Bruder meiner Oma, Onkel Johann Schug, den Sohn des Gitar Hannes, geheiratet. Der älteste Sohn meines Uropas war entschlossen, in Deutschland zu bleiben. Er lebte glücklich irgendwo am linken Saarufer in Saarbrücken, in einem gemütlichen, großen Haus. Den Onkel Johann hab ich nie gekannt, denn er starb 1956.

Aber die Tante Hedwig kam oft von „drüben“, um uns zu besuchen. Sie brachte immer schöne und schicke Sachen aus Saarbrücken. Meine verwitwete Tante wurde immer als Ehrengast in unserer Familie behandelt.

Ich durfte auch manchmal den Nachmittag bei ihr in Saarbrücken verbringen. Ich kann mich noch an das Wohnzimmer ihres Hauses erinnern. Das Haus glich ihner Einwohnerin, es war hell, gepflegt, voller Blumensträuße: man fühlte sich dadrin wohl. Es gab ein gemütliches Creme Sofa.
Den Stadtbummel in Saarbrücken genas ich sehr, denn ich wurde immer sehr verwöhnt. Tante Hedwig nahm mich sogar in den Kaufhof, um mir brandneue Kleider zu kaufen.

Tante Hedwig sah mit 65 immer noch toll aus. Ihr fast faltenfreies, schön geschminktes Gesicht spiegelte nur Güte. Sie hatte etwas Göttliches an sich, jedenfalls in meinen kindlichen Erinnerungen: sie sah aus wie ein Engel. Ihr feines, blond gefärbt und gelocktes Haar trug sie ziemlich kurz.

Ihr letztes Weihnachtsgeschenk für war ein Engel im roten Rock und goldenen Flügeln.

Tante Hedwig war starken Körperbaus aber innerlich war sie zerbrechlich und viel sensibler als meine Oma. Ich ahnte es nicht als Kind, aber sie war herzkrank.
Bei meinem letzten Besuch bei ihr, wußte sie daß das Ende nahe war. Sie hatte Tränen in den Augen als Oma ihr auf ziemlich undiplomatischer Weise merken ließ, das “ alles mal ein Ende hat“.

Sie starb eines Nachts in einem Saarbrücker Krankenhaus in Juli 1978.

Als Kind ist man sich nicht so sehr der Vergänglichkeit der Dinge so bewußt: ich wunsche mir, ich hätte mehr mit Tante Hedwig geredet und mehr Zeit mit ihr verbracht, denn meine Erinnerungen sind mit der Zeit wie verwischt.
Ich vermisse sie zwar, aber ich bin dankbar für die Anwesenheit von Tante Hedwig, die meine Kindheit herrlich versüßte.

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