Leseprobe 3: Opi und Omi

31 Mrz

freyming

Die Eltern meiner Mutter nannte ich Opi und Omi, aber ihr erster Spitzname war „ Opa und Oma Schaukelpferd“, denn in ihrem Haus, in Freyming war ein Schaukelpferd in der Küche. Als vierjährige hatte ich ihnen diesen Namen gegeben um sie beide von den Großeltern auf der väterlichen Seite zu unterscheiden. Aber mein Großvater Nicolas fand das fiel zu kompliziert für ein kleines Mädchen und wollte von nun an „Opi“ gennant werden.

Nicolas Weber war also mein Opi. Er redete immer Plattdeutsch mit uns allen. Er hatte weiße Haare und braune Augen. Er war ziemlich klein. Ich hab ihn nicht so viel gekannt, denn 1973 ist er an einem Herzinfarkt gestorben.
Omi hieß Mathilde Schwartz. Sie auch wendete nur Plattdeutsch an, und die „Mengervariante“. Denn es gab damals drei Varianten von Platt: Menger Platt, Merlebacher Platt und Platt aus Hummerich ( Homburg Haut). Natürlich waren alle für ein lothringisches oder saarländisches Ohr verständlich, aber manche Wörter waren verschieden. Man sagte „ Millich“ oder „ Ollig“ anstatt von Milch und Öl usw…

Omi war eine dicke, ründliche Frau mit einem dicken, gebundenem weiss-grauem Zopf. Sie hatte große, blaue Augen und war mit einem friedlichem und fröhlichem Temperament gesegnet.
Das Haus von Opi und Omi war ein großes zwei Etagen Haus, aber ich kann mich erinnern, dass ich viel mehr Zeit im Garten verbrachte, wo ich manchmal die rohen Erbsen pflückte, um sie heimlich zu essen, oder einfach den Hühnern nachschaute.
Es lag gegenüber einem Friedhof, und in meinen Erinnerungen hieß ihre Straße „ rue du Cimetiere“ ( Straße des Friedhofs).
Omis Vater, also mein Urgroßvater auf der mütterlichen Seite war ein Heilpraktiker. Er schuf sogar seine eigenen Heilungsmittel, und viele Leute kauften seine Produkte, die er auf dem lokalen Marktplatz verkaufte. Es gab viele Leute, die von seiner Heilkunst sehr erbaut waren, und er hatte auch viele Kunden. Die katholische Kirche hatte ihn aber als „Ketzer“ bezeichnet, da er das „esoterische Buch Moses“ benutzte, um magische Heilungsformel auszusprechen, so meine Mutter.

Seine Frau, meine Urgroßmutter starb, sehr früh. Sie war erst 36 Jahre alt als sie eines Nachts in Schweiß geriet, Omi rufte, ein Glas Milch verlangte, und plötzlich aufhörte zu atmen. Omi war erst 12, aber da sie auf einem Bauernhof lebte und sie auch die Älteste war, mußte sie sich um alle Geschwister kümmern. Wie viele sie eigentlich waren, ist mir unklar, aber es bedeutete sehr schwere Arbeit und frühes Aufstehen für ein zwölfjähriges Mädchen.
Mein Urgroßvater war gegen die Heirat meiner Grossmutter, da er Opi nicht richtig leiden konnte. Für welche Motive? Kann ich nicht sagen.

Copyright© by Isabelle Esling

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