Archiv | April, 2013

Die fantastische Welt der Brüder Grimm

28 Apr

Die fantastische Welt der Brüder Grimm.

Die fantastische Welt der Brüder Grimm

28 Apr

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„Ich mochte Abende bei meiner Oma. Wenn es Schlafenszeit war, wärmte meine Oma einen Backstein, den sie sorgfältig in eine Decke wickelte und zu meinen Füßen legte, damit ich die Wärme im Bett genießen konnte und schnell einschlief. Aber das war nicht das einzige Ritual vor dem Schlafen. Ich sagte Opa „ Gute Nacht“ und nun hatte ich meine Oma ganz für mich allein. Die Zauberwelt der Brüder Grimm würde nun ihr mächtiges Tor für mich öffnen.“

Isabelle Esling, Liebe Oma, United Pc Verlag

Jacob und Wilhelm Grimm, die wunderbaren Hanauer Schriftsteller, Erzähler und Sprachforscher sind immer ein wesentlicher Teil meiner Kultur gewesen. 

Oma las mir manchmal Grimms Märchen vor, manchmal lag sie im Bett neben mir und erzählte mir die Geschichte, denn sie kannte sie meist auswendig. Sie hatte eine faszinierende Erzählensart und Oma steigerte immer meine Vorstellungskraft: die Riesen,  die Zwerge, die sprechenden Tiere, die harmlosen Mädchen und die verzweifelten Prinzessinen standen plötzlich vor mir. Rumpelstilzchen mochte ich ganz besonders und Oma mußte es wenigstens viermal wiederholen, bis ich einschlief.

Bei den Eltern, zu Hause, hatte ich ein Grimms Märchen Buch, in gothischer Schrift, das ich mühelos entzifferte, denn Oma hatte mir die deutsche gothische Schrift beigebracht. Ich konnte sogar alte Familienbriefen in kursiver Schrift lesen.

Manche Leute bewerten Märchen als naiv: ich denke  ganz im Gegenteil , daß viele Geheimnisse und kluge Verhaltensweisen in den Märchen als wahre Schätze verborgen sind.

Man muß sie nur entdecken. Der Fischer und seine Frau, zum Beispiel ist eine wichtige Lehre über die Zufriedenheit. Wer sich nicht beklagt und zufrieden ist,mit dem was er hat, ist reich. Wer immer klagt und mehr will, dem wird alles genommen was er hat.

Eine Lebenseinstellung, die ich von meinen Großeltern gelernt habe, ist die Zufriedenheit. Sie waren zwar keine Millionäre, aber sie lebten frohen Gemüts und waren glückliche Menschen. Sie hatten alles, was sie brauchten, und es gab Lebensmittel in Hülle und Fülle bei ihnen, so weit wie ich mich erinnern kann.

Jacob und Wilhelm Grimm bewundere ich nicht nur wegen ihrer Märchensammlung, sondern auch für ihre Arbeit im Bereich der Sprachforschung. Sie haben sich bemüht, die Mundart in den verschiedenen Gegenden Deutschland zu erhalten. Alle Aspekte der deutschen Sprache sind in ihrer Arbeit sichtbar.

Heinrich Heine behauptete in Elementargeister, als er sich an die Franzosen wendete, und damit hatte er recht, denn eine lebendige Sprache ist eine Sprache, die alle Varianten eines Wortes inbegriffen sind:

Der einzige Jakob Grimm hat für Sprachwissenschaft mehr geleistet als eure ganze Französische Akademie seit Richelieu.“

Heinrich Heine

Was ich auch besonders bei den Brüdern Grimm mag, das ist auch die Entfaltung der Naturkräfte. Seit meiner Kindheit haben der Wald, das Wasser und die Pflanzen eine wichtige Rolle gespielt. Auf dem Hochwald wanderte mein kindlicher Geist mit den irdischen Wesen, die ich mir zwischen zwei dicken Eichen laufend-den Augen der Rest der Welt verborgen, meinen Augen aber sichtbar-vorstellte.

 

Copyright© by Isabelle Esling

 

 

 

 

 

Tante Reschen

21 Apr

Tante Reschen.

Tante Reschen

21 Apr

BildTante Therese, die wir alle „Tante Reschen“ in unserer Familie nannten, war die Schwägerin meiner Oma, die Ehefrau von Onkel Felix.

Meine Erinnerungen an Tante Reschen sind fast alle erloschen, und was mir heute von ihr noch bleibt, das sind ihr Gesischtsausdruck, ihr Lachen, ihre Verhaltensweise, vielleicht auch noch vage Erinnerungen an ihr Parfum. 

Wir glauben unsere geliebten Verwandten zu kennen, und plötlich scheiden sie von unserem Leben für immer. Deshalb möchte ich den jüngeren Generationen einen wertvollen Rat geben:  lernt eure ältesten Familienmitglieder zu schätzen, verbringt so viel Zeit wie möglich mit euren Opas, Omas und Groß-Tanten, denn eines Tages werden sie nicht mehr da sein und ihr werdet ihre Anwesenheit wirklich vermissen.

Tante Reschen lebte mit Onkel Felix in Petite-Rosselle, in einem kleinen gemütlichen Haus, nicht weit von der deutsch-französischen Grenze. Die Verbindung zum Abstammungsland war immer da. Auch Tante Reschen und Onkel Felix fuhren oft nach Deutschland, um Tante Hedwig zu besuchen.

Reschen war eine ründliche Frau, mit gräulichem, lockigem, sehr gepflegtem Haar. Sie war sehr optimistisch eingestellt. Sie mochte Witze und ich hab ihr lautes Lachen noch in Erinnerung. Obwohl sie manchmal sich um Kleinigkeiten Sorgen machte, genas sie ihr Leben völlig. Sie hatte fast immer ein sanftes Lächeln auf den Lippen und trug ein sanftes Parfum, das nach Rosen roch.

Ich möchte meiner wundervollen Tante Reschen heute diesen Artikel in Erinnerung widmen.

Copyright© by Isabelle Esling

 

 

 

Die älteren Generationen sind unsere Zeugen und kollektives Gedächtnis

11 Apr

Es ist Gottes Gnade, ein hohes Alter erreichen zu können.

Jedoch werden die älteren Generationen in unserer Wegwerfgesellschaft fast nur noch verachtet. Diese Geringschätzung der Alten entsteht gerade in einem Zeitalter in dem, besonders in Deutschland aber auch in sämtlichen Teilen Europas, man wieder viel mit Rechtsextremismus und radikalem Denken zu tun hat.

Manche Jugendliche fühlen sich von Rechtsextremistischen Ideen gereizt und diese Art von Ideologie ist ín den Zeiten einer wirtschaftlichen Krise besonders gefährlich: man übertreibt die Schuld der Asylbewerber an der hohen Arbeitslosigkeit, man will sie durch Anerkennung innerhalb einer gezielten Gruppe anziehen, und man vergöttert natürlich auch die Nazi-Zeit und Adolf Hitler.

Ich hatte das Glück als Kind mit Zeugen zweier Weltkriege zu reden: Opa und Oma waren 1902 und 1906 geboren. Sie haben die Kriegszeiten miterlebt und haben immer darüber gesprochen. Ich war immer ganz Ohr als Oma oder Opa mir eine Kriegsgeschichte mitteilten, denn so konnte ich mir wirklich vorstellen, wie es damals war. Oma schätzte den Kaiser Wilhelm sehr, sie hat ihn mir immer als einen “ guten Menschen “ beschrieben, und daß kleine Kinder ihm Blumensträuße brachten.

Natürlich war ihre Vorstellung der Politik und Regenten als einfache Saarländerin aus Gresaubach ein bißchen naiv, aber ich mochte ihre Erzählenskunst. Was sie mir beibrachte war immer interessant. Durch Opa konnte ich mir auch vorstellen wie das Lothringen und die deutsche Erziehung vor 1918 aussahen.

Die Nazi-Zeit ist mir von beiden als eine schreckliche Zeit beschrieben worden. Es war eine Zeit der Entbehrungen, in der man sehr viel Ersatzprodukte benutze. Ob deutsch oder nicht, es war manchmal lebensgefährlich seine Meinung auszudrücken. Die Grenzgebiete wie Freyming-Merlebach waren unter deutscher Verwaltung. Es gab viele Mitläufer damals, aber es gab auch Leute, wie meine Großeltern, die gegen die Hitler-Diktatur waren.

So viele Menschen mussten damals unnötig wegen Adolf Hitlers Regime sterben. Die Nazis waren keine Helden, sondern Kriminelle. Daran sollte man die jüngeren Generationen erinnern!

Copyright© by Isabelle Esling

Meine Nachmittage in „Saarbrigge“

3 Apr

Meine Nachmittage in "Saarbrigge".

Meine Nachmittage in „Saarbrigge“

3 Apr

mairie merlebach

Der Ort, den ich als Heimat empfinde ist bestimmt Freyming-Merlebach, die Stadt in der ich aufgewachsen bin und in der ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht habe. Aber ich habe auch starke Erinnerungen an Saarbrücken, auch “ Saarbrigge“ auf Plattdeutsch genannt. Du liebes Deutschland meiner Kindheit bist mir immer als Land meiner Abstammung teuer gewesen, und ich habe dich immer als „drüben“ -also „driwwe“ in unserem lokalen Dialekt- betrachtet. Es hat auch viel mit meiner Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur zu tun, denn obwohl ich als Französin im Grenzgebiet aufwuchs, sprach ich meine ersten Wörter in deutscher Sprache. Meine Mutter bestand darauf, daß ich Deutsch zuerst lernen mußte, denn es war für mich der einzige Weg mit meiner deutschsprachigen Oma zu kommunizieren.

In meiner Familie wurde auch dauernd Plattdeutsch verwendet. Meine Welt war eine Mischung aus Deutschem und Französischem.

Mit dem Bus war man schnell in Saarbrücken. Die Reise von Freyming nach Forbach dauerte ungefähr 20 Minuten. Diese Reise hatte immer so etwas offizielles an sich, denn man mußte damals seine Identitätskarte bei sich haben. Während 10 Minuten wurden die Pässe und Identitätskarten von den französischen und deutschen Zollbeamten kontrolliert. Die Franzosen waren immer ein bißchen lässiger als die Deutschen, die eine strengere Kontrolle durchführten.

Endlich war es soweit…nach der Kontrolle öffnete Deutschland mir seine Türen…ich war stolz auf meine paar DM Scheine, die ich nun in Saarbrücken ausgeben durfte!

Ich wurde immer von meiner Mutter aufgefordert, in Saarbrücken ausschließlich “ gutes Deutsch“, also Hochdeutsch zu sprechen.
bäckerei Heil

Ich mochte damals die Bäckerei Heil, weil es dort immer so gut nach frischem Brot und gemahlenem Kaffee roch: es war für mich Kind einfach ein reines Genießen meiner Sinne.

bahnhofstraße

Ich mochte auch die Buchhandlung “ Bock und Seip“, und wenn ich brav war, durfte ich mir auch ein Buch in deutscher Sprache kaufen.

Ich erinnere mich an die Bahnhofstraße, an den schönen Sankt Johanner Markt, an die Galeria Kaufhof: dort waren alle meine Helden: die Maus, Käpt n Blaubär und viele andere.

Spaziergänge am Saarufer waren auch angesagt, wenn das Wetter es erlaubte. Die schönen, farbigen Häuser am Saarufer bleiben in meiner schönen Kindheitserinnerung.

„Saarbrigge“, schöne Stadt meiner Kindheit, die mit wundervollen Erinnerungen verbunden ist, ich sehne mich nach dir!

Copyright© by Isabelle Esling