Archiv | Mai, 2013

Mehr über meine deutschsprachigen Bücher erfahren

12 Mai

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Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger

12 Mai

Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger.

Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger

12 Mai

hochwald damals

In der guten, alten Zeit in der ich manche Tage bei meiner Oma auf dem Hochwald in „Menge Merlebach“ verbrachte, gab es zwar nicht so viele Gegenstände der Technologie-meine Großeltern lebten sogar ohne Telefon und ohne Fernsehen- aber unsere Tage waren glücklich und erfüllt. Ich entsinne mich an netten, zuverlässigen Leuten, bei denen man ins Haus eintreten konnte, ohne etwas zu fürchten.

Der Hochwald war multikulturell: es gab viele Einwanderer, wie meine Oma, die als Deutsche mit 14 mit Vater und manchen Geschwistern die Grenze überschritt. Es gab viele Leute aus Polen, aus der damaligen Tschechoslovakei. Manche kamen aus dem Land, in dem die Zitronen blühen.

Gerne rufe ich diese Erinnerungen ins Gedächtnis, denn diese Zeit war eine glückliche Zeit, und auch des wirtschaftlichen Wohlstands in Frankreich: es ging uns allen gut.

Zwar waren die Pensionierten der Grube nicht besonders reich, aber sie lebten gemütlich.

Fast alle sprachen Platt-Deutsch. Obwohl Französisch die offizielle Sprache war, beständigten wir uns auf Platt-Deutsch, uff Daitsch.

Bei mir war die Beziehung zur deutschen Sprache noch stärker, denn bei Oma wurde Hochdeutsch gesprochen.

Ich kannte fast alle Bewohner der „rue de la Foret“. Ich wurde auch oft bei Nachbarn eingeladen. Ich betrachtete ihre Wohnungen, manche Standuhren und alte Bilder von “ damals“, von der Kriegszeit, und verglich sie mit Omas Wohnung.

Oma und Opa gehörten zu den ältesten Generationen der Pensionierten. 60 faszinierende Jahre trennten uns, 60 Jahre des geschichtlichen Geschehens, die meine Großeltern oft erwähnten und die auch Teil meiner eigenen Geschichte geworden sind.

Die Schönheit dieser Zeit auf dem Hochwald liegt in ihrer Einfachkeit. Die Leute verlangten weniger und schienen mit ihren Leben zufrieden zu sein. Die Zeit verlief tropfenweise langsam und man genas sie einfach.

Copyright© by Isabelle Esling

„Wie der Hund im Karren“ Leseprobe 4

9 Mai

"Wie der Hund im Karren" Leseprobe 4.

„Wie der Hund im Karren“ Leseprobe 4

9 Mai

Bild

Wie das Leben mir eine Lektion erteilte und wie ich die Anwendung eines deutschen Ausdrucks zu verstehen bekam.

 

Ich wurde oft bei Oma eingeladen und durfte bei ihr übernachten. Meistens verlief alles gut, aber bei diesem Aufenthalt hatte ich es wirklich übertrieben. Ich weiß nicht, ob es an der Witterung lag, aber ich wurde immer mutwilliger, lief überall im Haus herum und machte Oma verrückt. Es machte mir sogar Spaß, es zu tun. Ich weiß, es klingt wahnsinning. Opa konnte mich warnen, wie er wollte- nichts half.

 

Ich fühlte mich in diesem Moment sehr mächtig. Meine Großeltern hatten kein Telefon, und meine Eltern auch nicht, also konnten sie sich gegenseitig nicht anrufen. Ich war sicher, das ich da bleiben konnte, was immer passierte.

 

Oma schaute mich an und sagte: „ Sei brav‘ , sonst sag ich’s deinem Papa“

 

Ich antwortete: „ Ich schicke mich, ich schicke mich, ich schicke mich!“ Und fünf Minuten danach war der Teufel wieder los. So benahm ich mich wirklich schlecht, auch während den folgenden Tagen.

 

Am Ende tat mir Oma doch Leid, und ich entschuldigte mich bei ihr.

 

Oma hatte versprochen Papa nichts zu sagen, und ich meinerseits hatte versprochen, mich in der Zukunft besser zu benehmen.

 

Als mein Vater mich abholen kam, um nach Hause zu fahren, fragte er Oma:

 

„ Hat sie sich geschickt?“

 

Ich war selbstsicher und fürchtete nichts, Oma hatte ja versprochen.

 

 Da antwortete meine Oma: „ Ja, das kann man sagen. Geschickt hat sie sich. Wie der Hund im Karren!“

 

Als wir auf dem Weg nach Hause waren, schaute mich mein Vater verärgert an.

 

„ Hast du dich denn bei Oma überhaupt nicht benommen?“

 

„ Wieso? Oma hat doch gesagt, ich habe mich geschickt“, antwortete ich empört.

 

Eigentlich hatte ich als sechsjährige nur den ersten Teil des Satzes begriffen. Damals war mir die Bildlichkeit der deutschen Sprache noch nicht so klar…mein Vater erklärte mir, daß ein Hund im Karren immer rauszuspringen versuchte, also hieß es auf Deutsch gesagt, dass ich überhaupt nicht brav gewesen war.

 

Ich wurde bestraft, und nahm die Strafe hin, denn ich hatte sie verdient.

 

 

Copyright© by Isabelle Esling