„Wie der Hund im Karren“ Leseprobe 4

9 Mai

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Wie das Leben mir eine Lektion erteilte und wie ich die Anwendung eines deutschen Ausdrucks zu verstehen bekam.

 

Ich wurde oft bei Oma eingeladen und durfte bei ihr übernachten. Meistens verlief alles gut, aber bei diesem Aufenthalt hatte ich es wirklich übertrieben. Ich weiß nicht, ob es an der Witterung lag, aber ich wurde immer mutwilliger, lief überall im Haus herum und machte Oma verrückt. Es machte mir sogar Spaß, es zu tun. Ich weiß, es klingt wahnsinning. Opa konnte mich warnen, wie er wollte- nichts half.

 

Ich fühlte mich in diesem Moment sehr mächtig. Meine Großeltern hatten kein Telefon, und meine Eltern auch nicht, also konnten sie sich gegenseitig nicht anrufen. Ich war sicher, das ich da bleiben konnte, was immer passierte.

 

Oma schaute mich an und sagte: „ Sei brav‘ , sonst sag ich’s deinem Papa“

 

Ich antwortete: „ Ich schicke mich, ich schicke mich, ich schicke mich!“ Und fünf Minuten danach war der Teufel wieder los. So benahm ich mich wirklich schlecht, auch während den folgenden Tagen.

 

Am Ende tat mir Oma doch Leid, und ich entschuldigte mich bei ihr.

 

Oma hatte versprochen Papa nichts zu sagen, und ich meinerseits hatte versprochen, mich in der Zukunft besser zu benehmen.

 

Als mein Vater mich abholen kam, um nach Hause zu fahren, fragte er Oma:

 

„ Hat sie sich geschickt?“

 

Ich war selbstsicher und fürchtete nichts, Oma hatte ja versprochen.

 

 Da antwortete meine Oma: „ Ja, das kann man sagen. Geschickt hat sie sich. Wie der Hund im Karren!“

 

Als wir auf dem Weg nach Hause waren, schaute mich mein Vater verärgert an.

 

„ Hast du dich denn bei Oma überhaupt nicht benommen?“

 

„ Wieso? Oma hat doch gesagt, ich habe mich geschickt“, antwortete ich empört.

 

Eigentlich hatte ich als sechsjährige nur den ersten Teil des Satzes begriffen. Damals war mir die Bildlichkeit der deutschen Sprache noch nicht so klar…mein Vater erklärte mir, daß ein Hund im Karren immer rauszuspringen versuchte, also hieß es auf Deutsch gesagt, dass ich überhaupt nicht brav gewesen war.

 

Ich wurde bestraft, und nahm die Strafe hin, denn ich hatte sie verdient.

 

 

Copyright© by Isabelle Esling

 

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