Archiv | Uncategorized RSS feed for this section

Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger

12 Mai

Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger.

Die alten Generationen auf dem Hochwald der Siebziger

12 Mai

hochwald damals

In der guten, alten Zeit in der ich manche Tage bei meiner Oma auf dem Hochwald in „Menge Merlebach“ verbrachte, gab es zwar nicht so viele Gegenstände der Technologie-meine Großeltern lebten sogar ohne Telefon und ohne Fernsehen- aber unsere Tage waren glücklich und erfüllt. Ich entsinne mich an netten, zuverlässigen Leuten, bei denen man ins Haus eintreten konnte, ohne etwas zu fürchten.

Der Hochwald war multikulturell: es gab viele Einwanderer, wie meine Oma, die als Deutsche mit 14 mit Vater und manchen Geschwistern die Grenze überschritt. Es gab viele Leute aus Polen, aus der damaligen Tschechoslovakei. Manche kamen aus dem Land, in dem die Zitronen blühen.

Gerne rufe ich diese Erinnerungen ins Gedächtnis, denn diese Zeit war eine glückliche Zeit, und auch des wirtschaftlichen Wohlstands in Frankreich: es ging uns allen gut.

Zwar waren die Pensionierten der Grube nicht besonders reich, aber sie lebten gemütlich.

Fast alle sprachen Platt-Deutsch. Obwohl Französisch die offizielle Sprache war, beständigten wir uns auf Platt-Deutsch, uff Daitsch.

Bei mir war die Beziehung zur deutschen Sprache noch stärker, denn bei Oma wurde Hochdeutsch gesprochen.

Ich kannte fast alle Bewohner der „rue de la Foret“. Ich wurde auch oft bei Nachbarn eingeladen. Ich betrachtete ihre Wohnungen, manche Standuhren und alte Bilder von “ damals“, von der Kriegszeit, und verglich sie mit Omas Wohnung.

Oma und Opa gehörten zu den ältesten Generationen der Pensionierten. 60 faszinierende Jahre trennten uns, 60 Jahre des geschichtlichen Geschehens, die meine Großeltern oft erwähnten und die auch Teil meiner eigenen Geschichte geworden sind.

Die Schönheit dieser Zeit auf dem Hochwald liegt in ihrer Einfachkeit. Die Leute verlangten weniger und schienen mit ihren Leben zufrieden zu sein. Die Zeit verlief tropfenweise langsam und man genas sie einfach.

Copyright© by Isabelle Esling

„Wie der Hund im Karren“ Leseprobe 4

9 Mai

"Wie der Hund im Karren" Leseprobe 4.

„Wie der Hund im Karren“ Leseprobe 4

9 Mai

Bild

Wie das Leben mir eine Lektion erteilte und wie ich die Anwendung eines deutschen Ausdrucks zu verstehen bekam.

 

Ich wurde oft bei Oma eingeladen und durfte bei ihr übernachten. Meistens verlief alles gut, aber bei diesem Aufenthalt hatte ich es wirklich übertrieben. Ich weiß nicht, ob es an der Witterung lag, aber ich wurde immer mutwilliger, lief überall im Haus herum und machte Oma verrückt. Es machte mir sogar Spaß, es zu tun. Ich weiß, es klingt wahnsinning. Opa konnte mich warnen, wie er wollte- nichts half.

 

Ich fühlte mich in diesem Moment sehr mächtig. Meine Großeltern hatten kein Telefon, und meine Eltern auch nicht, also konnten sie sich gegenseitig nicht anrufen. Ich war sicher, das ich da bleiben konnte, was immer passierte.

 

Oma schaute mich an und sagte: „ Sei brav‘ , sonst sag ich’s deinem Papa“

 

Ich antwortete: „ Ich schicke mich, ich schicke mich, ich schicke mich!“ Und fünf Minuten danach war der Teufel wieder los. So benahm ich mich wirklich schlecht, auch während den folgenden Tagen.

 

Am Ende tat mir Oma doch Leid, und ich entschuldigte mich bei ihr.

 

Oma hatte versprochen Papa nichts zu sagen, und ich meinerseits hatte versprochen, mich in der Zukunft besser zu benehmen.

 

Als mein Vater mich abholen kam, um nach Hause zu fahren, fragte er Oma:

 

„ Hat sie sich geschickt?“

 

Ich war selbstsicher und fürchtete nichts, Oma hatte ja versprochen.

 

 Da antwortete meine Oma: „ Ja, das kann man sagen. Geschickt hat sie sich. Wie der Hund im Karren!“

 

Als wir auf dem Weg nach Hause waren, schaute mich mein Vater verärgert an.

 

„ Hast du dich denn bei Oma überhaupt nicht benommen?“

 

„ Wieso? Oma hat doch gesagt, ich habe mich geschickt“, antwortete ich empört.

 

Eigentlich hatte ich als sechsjährige nur den ersten Teil des Satzes begriffen. Damals war mir die Bildlichkeit der deutschen Sprache noch nicht so klar…mein Vater erklärte mir, daß ein Hund im Karren immer rauszuspringen versuchte, also hieß es auf Deutsch gesagt, dass ich überhaupt nicht brav gewesen war.

 

Ich wurde bestraft, und nahm die Strafe hin, denn ich hatte sie verdient.

 

 

Copyright© by Isabelle Esling

 

Die fantastische Welt der Brüder Grimm

28 Apr

Die fantastische Welt der Brüder Grimm.

Die fantastische Welt der Brüder Grimm

28 Apr

Bild

 

„Ich mochte Abende bei meiner Oma. Wenn es Schlafenszeit war, wärmte meine Oma einen Backstein, den sie sorgfältig in eine Decke wickelte und zu meinen Füßen legte, damit ich die Wärme im Bett genießen konnte und schnell einschlief. Aber das war nicht das einzige Ritual vor dem Schlafen. Ich sagte Opa „ Gute Nacht“ und nun hatte ich meine Oma ganz für mich allein. Die Zauberwelt der Brüder Grimm würde nun ihr mächtiges Tor für mich öffnen.“

Isabelle Esling, Liebe Oma, United Pc Verlag

Jacob und Wilhelm Grimm, die wunderbaren Hanauer Schriftsteller, Erzähler und Sprachforscher sind immer ein wesentlicher Teil meiner Kultur gewesen. 

Oma las mir manchmal Grimms Märchen vor, manchmal lag sie im Bett neben mir und erzählte mir die Geschichte, denn sie kannte sie meist auswendig. Sie hatte eine faszinierende Erzählensart und Oma steigerte immer meine Vorstellungskraft: die Riesen,  die Zwerge, die sprechenden Tiere, die harmlosen Mädchen und die verzweifelten Prinzessinen standen plötzlich vor mir. Rumpelstilzchen mochte ich ganz besonders und Oma mußte es wenigstens viermal wiederholen, bis ich einschlief.

Bei den Eltern, zu Hause, hatte ich ein Grimms Märchen Buch, in gothischer Schrift, das ich mühelos entzifferte, denn Oma hatte mir die deutsche gothische Schrift beigebracht. Ich konnte sogar alte Familienbriefen in kursiver Schrift lesen.

Manche Leute bewerten Märchen als naiv: ich denke  ganz im Gegenteil , daß viele Geheimnisse und kluge Verhaltensweisen in den Märchen als wahre Schätze verborgen sind.

Man muß sie nur entdecken. Der Fischer und seine Frau, zum Beispiel ist eine wichtige Lehre über die Zufriedenheit. Wer sich nicht beklagt und zufrieden ist,mit dem was er hat, ist reich. Wer immer klagt und mehr will, dem wird alles genommen was er hat.

Eine Lebenseinstellung, die ich von meinen Großeltern gelernt habe, ist die Zufriedenheit. Sie waren zwar keine Millionäre, aber sie lebten frohen Gemüts und waren glückliche Menschen. Sie hatten alles, was sie brauchten, und es gab Lebensmittel in Hülle und Fülle bei ihnen, so weit wie ich mich erinnern kann.

Jacob und Wilhelm Grimm bewundere ich nicht nur wegen ihrer Märchensammlung, sondern auch für ihre Arbeit im Bereich der Sprachforschung. Sie haben sich bemüht, die Mundart in den verschiedenen Gegenden Deutschland zu erhalten. Alle Aspekte der deutschen Sprache sind in ihrer Arbeit sichtbar.

Heinrich Heine behauptete in Elementargeister, als er sich an die Franzosen wendete, und damit hatte er recht, denn eine lebendige Sprache ist eine Sprache, die alle Varianten eines Wortes inbegriffen sind:

Der einzige Jakob Grimm hat für Sprachwissenschaft mehr geleistet als eure ganze Französische Akademie seit Richelieu.“

Heinrich Heine

Was ich auch besonders bei den Brüdern Grimm mag, das ist auch die Entfaltung der Naturkräfte. Seit meiner Kindheit haben der Wald, das Wasser und die Pflanzen eine wichtige Rolle gespielt. Auf dem Hochwald wanderte mein kindlicher Geist mit den irdischen Wesen, die ich mir zwischen zwei dicken Eichen laufend-den Augen der Rest der Welt verborgen, meinen Augen aber sichtbar-vorstellte.

 

Copyright© by Isabelle Esling

 

 

 

 

 

Tante Reschen

21 Apr

Tante Reschen.

Tante Reschen

21 Apr

BildTante Therese, die wir alle „Tante Reschen“ in unserer Familie nannten, war die Schwägerin meiner Oma, die Ehefrau von Onkel Felix.

Meine Erinnerungen an Tante Reschen sind fast alle erloschen, und was mir heute von ihr noch bleibt, das sind ihr Gesischtsausdruck, ihr Lachen, ihre Verhaltensweise, vielleicht auch noch vage Erinnerungen an ihr Parfum. 

Wir glauben unsere geliebten Verwandten zu kennen, und plötlich scheiden sie von unserem Leben für immer. Deshalb möchte ich den jüngeren Generationen einen wertvollen Rat geben:  lernt eure ältesten Familienmitglieder zu schätzen, verbringt so viel Zeit wie möglich mit euren Opas, Omas und Groß-Tanten, denn eines Tages werden sie nicht mehr da sein und ihr werdet ihre Anwesenheit wirklich vermissen.

Tante Reschen lebte mit Onkel Felix in Petite-Rosselle, in einem kleinen gemütlichen Haus, nicht weit von der deutsch-französischen Grenze. Die Verbindung zum Abstammungsland war immer da. Auch Tante Reschen und Onkel Felix fuhren oft nach Deutschland, um Tante Hedwig zu besuchen.

Reschen war eine ründliche Frau, mit gräulichem, lockigem, sehr gepflegtem Haar. Sie war sehr optimistisch eingestellt. Sie mochte Witze und ich hab ihr lautes Lachen noch in Erinnerung. Obwohl sie manchmal sich um Kleinigkeiten Sorgen machte, genas sie ihr Leben völlig. Sie hatte fast immer ein sanftes Lächeln auf den Lippen und trug ein sanftes Parfum, das nach Rosen roch.

Ich möchte meiner wundervollen Tante Reschen heute diesen Artikel in Erinnerung widmen.

Copyright© by Isabelle Esling

 

 

 

Die älteren Generationen sind unsere Zeugen und kollektives Gedächtnis

11 Apr

Es ist Gottes Gnade, ein hohes Alter erreichen zu können.

Jedoch werden die älteren Generationen in unserer Wegwerfgesellschaft fast nur noch verachtet. Diese Geringschätzung der Alten entsteht gerade in einem Zeitalter in dem, besonders in Deutschland aber auch in sämtlichen Teilen Europas, man wieder viel mit Rechtsextremismus und radikalem Denken zu tun hat.

Manche Jugendliche fühlen sich von Rechtsextremistischen Ideen gereizt und diese Art von Ideologie ist ín den Zeiten einer wirtschaftlichen Krise besonders gefährlich: man übertreibt die Schuld der Asylbewerber an der hohen Arbeitslosigkeit, man will sie durch Anerkennung innerhalb einer gezielten Gruppe anziehen, und man vergöttert natürlich auch die Nazi-Zeit und Adolf Hitler.

Ich hatte das Glück als Kind mit Zeugen zweier Weltkriege zu reden: Opa und Oma waren 1902 und 1906 geboren. Sie haben die Kriegszeiten miterlebt und haben immer darüber gesprochen. Ich war immer ganz Ohr als Oma oder Opa mir eine Kriegsgeschichte mitteilten, denn so konnte ich mir wirklich vorstellen, wie es damals war. Oma schätzte den Kaiser Wilhelm sehr, sie hat ihn mir immer als einen “ guten Menschen “ beschrieben, und daß kleine Kinder ihm Blumensträuße brachten.

Natürlich war ihre Vorstellung der Politik und Regenten als einfache Saarländerin aus Gresaubach ein bißchen naiv, aber ich mochte ihre Erzählenskunst. Was sie mir beibrachte war immer interessant. Durch Opa konnte ich mir auch vorstellen wie das Lothringen und die deutsche Erziehung vor 1918 aussahen.

Die Nazi-Zeit ist mir von beiden als eine schreckliche Zeit beschrieben worden. Es war eine Zeit der Entbehrungen, in der man sehr viel Ersatzprodukte benutze. Ob deutsch oder nicht, es war manchmal lebensgefährlich seine Meinung auszudrücken. Die Grenzgebiete wie Freyming-Merlebach waren unter deutscher Verwaltung. Es gab viele Mitläufer damals, aber es gab auch Leute, wie meine Großeltern, die gegen die Hitler-Diktatur waren.

So viele Menschen mussten damals unnötig wegen Adolf Hitlers Regime sterben. Die Nazis waren keine Helden, sondern Kriminelle. Daran sollte man die jüngeren Generationen erinnern!

Copyright© by Isabelle Esling

Meine Nachmittage in „Saarbrigge“

3 Apr

Meine Nachmittage in "Saarbrigge".