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Meine Nachmittage in „Saarbrigge“

3 Apr

mairie merlebach

Der Ort, den ich als Heimat empfinde ist bestimmt Freyming-Merlebach, die Stadt in der ich aufgewachsen bin und in der ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht habe. Aber ich habe auch starke Erinnerungen an Saarbrücken, auch “ Saarbrigge“ auf Plattdeutsch genannt. Du liebes Deutschland meiner Kindheit bist mir immer als Land meiner Abstammung teuer gewesen, und ich habe dich immer als „drüben“ -also „driwwe“ in unserem lokalen Dialekt- betrachtet. Es hat auch viel mit meiner Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur zu tun, denn obwohl ich als Französin im Grenzgebiet aufwuchs, sprach ich meine ersten Wörter in deutscher Sprache. Meine Mutter bestand darauf, daß ich Deutsch zuerst lernen mußte, denn es war für mich der einzige Weg mit meiner deutschsprachigen Oma zu kommunizieren.

In meiner Familie wurde auch dauernd Plattdeutsch verwendet. Meine Welt war eine Mischung aus Deutschem und Französischem.

Mit dem Bus war man schnell in Saarbrücken. Die Reise von Freyming nach Forbach dauerte ungefähr 20 Minuten. Diese Reise hatte immer so etwas offizielles an sich, denn man mußte damals seine Identitätskarte bei sich haben. Während 10 Minuten wurden die Pässe und Identitätskarten von den französischen und deutschen Zollbeamten kontrolliert. Die Franzosen waren immer ein bißchen lässiger als die Deutschen, die eine strengere Kontrolle durchführten.

Endlich war es soweit…nach der Kontrolle öffnete Deutschland mir seine Türen…ich war stolz auf meine paar DM Scheine, die ich nun in Saarbrücken ausgeben durfte!

Ich wurde immer von meiner Mutter aufgefordert, in Saarbrücken ausschließlich “ gutes Deutsch“, also Hochdeutsch zu sprechen.
bäckerei Heil

Ich mochte damals die Bäckerei Heil, weil es dort immer so gut nach frischem Brot und gemahlenem Kaffee roch: es war für mich Kind einfach ein reines Genießen meiner Sinne.

bahnhofstraße

Ich mochte auch die Buchhandlung “ Bock und Seip“, und wenn ich brav war, durfte ich mir auch ein Buch in deutscher Sprache kaufen.

Ich erinnere mich an die Bahnhofstraße, an den schönen Sankt Johanner Markt, an die Galeria Kaufhof: dort waren alle meine Helden: die Maus, Käpt n Blaubär und viele andere.

Spaziergänge am Saarufer waren auch angesagt, wenn das Wetter es erlaubte. Die schönen, farbigen Häuser am Saarufer bleiben in meiner schönen Kindheitserinnerung.

„Saarbrigge“, schöne Stadt meiner Kindheit, die mit wundervollen Erinnerungen verbunden ist, ich sehne mich nach dir!

Copyright© by Isabelle Esling

Leseprobe 3: Opi und Omi

31 Mrz

freyming

Die Eltern meiner Mutter nannte ich Opi und Omi, aber ihr erster Spitzname war „ Opa und Oma Schaukelpferd“, denn in ihrem Haus, in Freyming war ein Schaukelpferd in der Küche. Als vierjährige hatte ich ihnen diesen Namen gegeben um sie beide von den Großeltern auf der väterlichen Seite zu unterscheiden. Aber mein Großvater Nicolas fand das fiel zu kompliziert für ein kleines Mädchen und wollte von nun an „Opi“ gennant werden.

Nicolas Weber war also mein Opi. Er redete immer Plattdeutsch mit uns allen. Er hatte weiße Haare und braune Augen. Er war ziemlich klein. Ich hab ihn nicht so viel gekannt, denn 1973 ist er an einem Herzinfarkt gestorben.
Omi hieß Mathilde Schwartz. Sie auch wendete nur Plattdeutsch an, und die „Mengervariante“. Denn es gab damals drei Varianten von Platt: Menger Platt, Merlebacher Platt und Platt aus Hummerich ( Homburg Haut). Natürlich waren alle für ein lothringisches oder saarländisches Ohr verständlich, aber manche Wörter waren verschieden. Man sagte „ Millich“ oder „ Ollig“ anstatt von Milch und Öl usw…

Omi war eine dicke, ründliche Frau mit einem dicken, gebundenem weiss-grauem Zopf. Sie hatte große, blaue Augen und war mit einem friedlichem und fröhlichem Temperament gesegnet.
Das Haus von Opi und Omi war ein großes zwei Etagen Haus, aber ich kann mich erinnern, dass ich viel mehr Zeit im Garten verbrachte, wo ich manchmal die rohen Erbsen pflückte, um sie heimlich zu essen, oder einfach den Hühnern nachschaute.
Es lag gegenüber einem Friedhof, und in meinen Erinnerungen hieß ihre Straße „ rue du Cimetiere“ ( Straße des Friedhofs).
Omis Vater, also mein Urgroßvater auf der mütterlichen Seite war ein Heilpraktiker. Er schuf sogar seine eigenen Heilungsmittel, und viele Leute kauften seine Produkte, die er auf dem lokalen Marktplatz verkaufte. Es gab viele Leute, die von seiner Heilkunst sehr erbaut waren, und er hatte auch viele Kunden. Die katholische Kirche hatte ihn aber als „Ketzer“ bezeichnet, da er das „esoterische Buch Moses“ benutzte, um magische Heilungsformel auszusprechen, so meine Mutter.

Seine Frau, meine Urgroßmutter starb, sehr früh. Sie war erst 36 Jahre alt als sie eines Nachts in Schweiß geriet, Omi rufte, ein Glas Milch verlangte, und plötzlich aufhörte zu atmen. Omi war erst 12, aber da sie auf einem Bauernhof lebte und sie auch die Älteste war, mußte sie sich um alle Geschwister kümmern. Wie viele sie eigentlich waren, ist mir unklar, aber es bedeutete sehr schwere Arbeit und frühes Aufstehen für ein zwölfjähriges Mädchen.
Mein Urgroßvater war gegen die Heirat meiner Grossmutter, da er Opi nicht richtig leiden konnte. Für welche Motive? Kann ich nicht sagen.

Copyright© by Isabelle Esling

Klappern in Freyming-Merlebach

23 Mrz

Klappern in Freyming-Merlebach.

Klappern in Freyming-Merlebach

23 Mrz

eglise hochwald

Die Kirche auf dem Hochwald

Freyming- Merlebach ist ein Ort katholischer Traditionen und wir sind alle als Kinder in den Siebzigern ziemlich streng katholisch erzogen worden. So viel wie ich mich erinnern kann, gibt es in dieser kleinen Gemeinde drei katholische Kirchen: die Kirche von Freyming auch Saint Maurice genannt, in der meine Kleinkommunion stattfand; die Kirche von Hochwald, und das war die Kirche meiner Oma-und letztendlich die Merlebacher Kirche in der ich auch manche Sonntage verbracht habe.

saint maurice

Die Saint Maurice Kirche in Freyming

Wir waren sehr gläubig und die Osternzeit bedeutete schon etwas ganz Besonderes in unseren kindliche Augen: es war eine Wiederaufstehung in allen Sinnen, es war ein Fest des Lebens und der Freude. Fleischverzehr war am Karfreitag bei uns streng verboten, und man erinnerte uns sogar daran in der Schule.
Im Grenzgebiet gibt es einen kirchlichen Brauch, den wir mit den Saarländern während Ostern, von Gründonnerstag bis zum Ostersonntag gemeinsam haben. Während der Karwoche schweigen die Glocken und die Kinder der kirchlichen Gemeinde marschieren durch die verschiedenen Straßen der Stadt mit ihren holzernen Instrumenten und rufen laut am Morgen und zu Mittag:
„Beetklock, Rosenstock, wenn s nit klingelt, dann klappert s noch…“
Dieses Klappern und diese Worte in Plattdeutsch klingen heute noch in meinen Ohren…ich werde nie vergessen, woher ich komme.

nativite merlebach

Die Nativitätskirche in Merlebach

Copyright© by Isabelle Esling

Ein kleiner Gedanke für Opa am Josefstag

19 Mrz

Ein kleiner Gedanke für Opa am Josefstag.

Ein kleiner Gedanke für Opa am Josefstag

19 Mrz

Josef Esling

Es ist wirklich seltsam, aber jedes Jahr seit dem Tode meines Opas in 1985 werde ich am Josefstag auf verschiedenen Weisen an meinen Opa erinnert, als wolle der Himmel mir Zeichen senden. Heute kam das Zeichen ganz flüchtig, als ich eine PKW -Immatrikulation betrachtete: auf dem Hinterteil des Wagens stand das Wort “ Oma“. Zuerst wußte ich nicht, was das wohl mit meiner Oma zu tun hatte. Ich blieb einfach nachdenklich stehen und mich selbstbefragend, fand ich keine Antwort. Aber bald erreichte mich ein Blitzeinfall: „welchen Tag haben wir denn eigentlich heute? aber natürlich! heute ist der Josefstag!“

Opa wäre 111, wenn er noch leben würde.

Obwohl ich meine Oma viel lieber hatte als meinen Opa, denn Oma bedeutete mir als Kind alles- sie war wie eine wundervolle Märchenfee, die meine Wünsche alle auf einmal erfüllen konnte- hab ich Opa in Erinnerung als einen liebwürdigen, sehr stillen Menschen.

Opa besaß sehr viel Weisheit und sprach nur Wörter aus, wenn es wirklich notwendig war.

Als begabter Gärtner war Opa ein Betrachter seiner Umgebung, und der spirituellen Welt sehr nahe.

Ich selbst habe sehr viel gelernt, in dem ich ihm stundenlang nachschaute, als er seine Gartenarbeit erledigte.

Ein gelassener Mensch seiner Generation war Opa wohl. Ich bin sehr dankbar, daß es Dich einmal gab, Opa! Danke für die schönen Augenblicke, die wir zusammen hatten.
jardin hochwald

Copyright© by Isabelle Esling

Der Wald, ein wesentlicher Bestandteil meiner Kindheit

11 Mrz

Der Wald, ein wesentlicher Bestandteil meiner Kindheit.

Der Wald, ein wesentlicher Bestandteil meiner Kindheit

11 Mrz

Ich weiß nicht, ob es weil ich deutscher Abstammung bin, aber der Wald war wirklich ein wesentlicher Bestandteil meiner Kindheit. Den Wald am Rande des Gartens gab es bei meinen Großeltern wirklich und Walspaziergänge-mit oder ohne Hund- waren bei meinen Eltern Tradition: fast jedes Wochendende waren wir mit den Waldspaziergängen beschäftigt.

Am Liebsten faszinierte mich der Wald, den es bei meiner Oma  auf dem Hochwald gab…ich brauchte nur das Gartentor zu öffnen und schon war ich mittendrin. Manche Teile waren mit Brennessel bedeckt, und man mußte als Kind aufpassen, nicht gestochen zu werden.

Der Wald war ein beliebter Treffpunkt zwischen uns Kindern. Ich mochte die mächtige Stille dieses Waldes obwohl seine Dunkelheit mich machmal beängstigte, denn ich war  immer mit der Möglichkeit befaßt, Märchenwesen dort plötzlich zu treffen, und wenn sie abwesend schienen, waren sie in meiner Traumwelt sehr lebendig.

Im Frühling erweckte die Natur wieder und mein Ohr lauschte nach dem Kuckuck. Das Kuckuckslied war bei mir eine konkrete Wirklichkeit. Sehr oft pflückte ich Blätter als ich auf die verschiedenen Bäume kletterte. Das Klettern gefiel mir: es war wie eine Eroberung des Baumes…aber manchmal ging ich nur halbwegs, denn es war wirklich zu hoch.

Als wir später das abgedämpfte Licht der Sonne, das sich durch die gewölbten Kronen der Bäume sich durchdrängte mit der architektonischen Schönheit einer Kathedrale verglichen, war ich mir dieser tiefen Wahrheit bewußt, denn ich hatte sie mit eigenen Augen betrachtet.

Ich bin mir bewußt, daß die malerische Landschaft meiner Kindheit sich inzwischen bestimmt verändert hat. Aber meine Vision dieser wunderschönen Zeit bleibt unversehrt.

Copyright© by Isabelle Esling

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Leseprobe 2: Alltägliches Leben in „Menge-Merlebach“

7 Mrz

Leseprobe 2: Alltägliches Leben in "Menge-Merlebach".

Leseprobe 2: Alltägliches Leben in „Menge-Merlebach“

7 Mrz

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Cuvelette

 

Viele Leute emigrierten 1920 nach Freyming- Merlebach, denn dort wa Arbeit, besonders in den Zechen. Unter ihnen waren Deutsche, sehr viele Polen, Leute aus der ehemaligen Tschechoslovakei ( heute Tschechien), Italiener und viele andere Nationalitäten. Die meisten von ihnen sprachen ihre Muttersprache, Platt-Deutsch und auch Französisch, die offizielle Sprache, die sie unbedingt als administrative Sprache benötigten. Wenn sie aber kein Französisch sprachen hatten sie fast immer ein Familienmitglied, das Französisch konnte und ihnen mit den Papieren half.

Die Arbeit in der Welt der Kohle war sehr harte, körperliche Arbeit, außer wenn man eine administrative Stelle hatte wie mein Opa. Die Arbeiter in den Kohlenminen arbeiteten mindestens 8 Stunden am Tag, in fast totaler Dunkelheit in den Gallerien.

Manchmal war es lebensgefährlich.

Und diese braven Arbeiter, die um ihre Familien zu ernähren so hart arbeiteten, liebten sich. Es gab eine wirkliche Solidarität zwischen den Menschen.

In der Stadt „ Menge Merlebach“ der 70ger lebten die meisten Leute nach diesem Motto:

„Nimm das Leben nicht zu ernst, du kommst eh nicht lebend raus…“

Ich persönlich glaube, daß sie der Wahrheit viel näher waren als diejenigen, die heute so hektisch leben, und keine Zeit mehr zum Entspannen finden. Trotz der harten Bedingungen waren sie nach der Arbeit gelassen, und froh sich mit Frau und Kindern zu unterhalten. 

Copyright© Isabelle Esling